Tagebuch Solomon

erste Woche

Bin seyd einigen Naechten in Lipsia, oder wie die Eynwohner sagen Lipz. Gar vil hat sich getahn.

Beym Prinzen liv ez recht gud. Ich darff verbleyben in der Domaene. Auch givt ez noch andere junge Kainiten wie mich. Wir haven uns zusahmengetahn und synd nunmehr ain Kluengel. Zumindezt die meyzten von uns.

Bernhard, ain Lasombra, had mit mir ainen Bauernhof uebernohmen. Auf disem Grund weln wir ain Kloster errichten. Zuvor jedoch müezen wir noch Papyre vorbereiten und dem Vogd vorlegen.

Constance, aine Toreador, erscheynt mir nicht angetahn von meiner Gesellschaft. Immer wieder geraet sie in Streyt mit mir oder grayft mich gar an. Dennoch haelt das Kluengel zusahmen, bis jetst.

Zwey Visionen erschinen mir. Ain geflygeltez Schwert, welchez vom Hihmel vihl. Schreye vor Tagesanbruch, aus Lipsia kohmend. Ich weyz nicht, was ez bedoitet, aber ich denke darueber nach.


zweite Woche

Der Hof ist unser. Die Papyre waren ueberzoigend genug. Jetst müezen wir nur herrausfinden, wer den Hof dez nachtens ueberfahlen wohlte.

Ich kehne jetst schon ainige Kainiten. Meyzt handelt ez sich um Ahnen, mit denen ich nicht umsugehen weyz. Sie erwarten ihmer die richtige Anrede. Weyz nicht was das sol. Ueberlasse daher Bernhard das reden.

Meine Gaben erwaisen sich alz schwer. Kaum setz ich sie ain, beschwert sich das Kluengel. Ich wuerde Angst und Wahnsinn verbreyten. Gerade ich, der ich nuhr den Menschen helfen wil.

Gerade erst verhalf ich einem Knecht, am Leven zu verbleyben. Bernhard erschrak ihn mit einer Drohung derart, das er fast verstorben waer. Ich guhlte ihn und rettete aine Seele dez Herrn. Doch trahge ich eine Mitschuld an der Sache, hav ich doch Bernhard nicht aufgehalten.

In der Stadt gelang ez mir, aine verlorene Seele zu bekaehren. Bey ainem Angriff auf das Kluengel verschaffte ich ainem der Dyebe aine Vision. Ich glaube, er wird sein Leven schon bald allein Gott widmen.

Ainen der anderen Dyebe brachte Bernhard auf den Hof. Gemainsam verhoerten wir ihn und erfuren allerhand Noies. Danach überliez Bernhard ihn mir. Der Dyeb zeigte sich roihig, so das ich ihn ins Kloster aufnahm. Gemainsam werden wir die naechsten Abende fuer unsere Suenden buezen.

Es gelang mir, einen Bruoder zu finden. Auf Gottes Wegen wandelnd traf ich ihn an, alz ich Constance zu schuetsen versuchte. Berlein aus Bornau. Nicht sehr gespraechig, doch ihmerhin ein Bruoder. Werde ihn die naechsten Tage noch aufsuchen.

Die Visionen erschainen langsam Sinn zu machen. Ain Kroizzug wird kohmen. Und Lipsia wird darunter laiden. Zuvil gottloses Gesyndel in der Stadt. Reiche, die sich Pomp und Pracht hingeven und nur den Froiden froenen. Arme, die hungern und darben und mit üeberleven genug zu tuhn haven, alz das Gott sie intessiert. Ez liget noch vil Arebeit vor mir.


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