Tibor aus Nitra

Tibor
Name Tibor aus Nitra
Clan Tzimisce
Generation 10
Konzept Koldunenhexer
Alter 120
Sieht aus wie 20
Nationalität Slawisch
Geburtsort Nitra
Haarfarbe meist Glatze (es sei denn, er fleischformt sich Haare)
Augenfarbe dunkelblau
Hautfarbe mitteleuropäisch
Größe 160cm
Wappen derer von Nitra
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Inhaltsverzeichnis

Die Erwählung

In dem kleinen Dorf bei Nitra herrschte seit Tagen schon gespannte Erwartung. Es war eine Mischung aus Furcht und Hoffnung, die alle Eltern von dreijährigen Kindern einmal im Jahr erfasste. Dann kam der Herr von Nitra, um ein Kind auszuwählen, das er zu sich nehmen würde - um es auszubilden, wie es hieß. Aber niemand wusste genau, was mit diesen Kindern geschah, denn niemand sah sie je wieder - zumindest niemand, der sie kannte. Aber die Familien, deren Kind erwählt worden war, genossen ein gewisses Ansehen, und sie erhielten auch hin und wieder ein wenig Unterstützung vom Herrn des Landes.

Tibor kann sich nicht mehr an seine Eltern oder seine Familie erinnern. Mit dem Tag seiner Erwählung verbunden sind für ihn nur der Geruch von frischem Holz, ein paar kräftige, von schwerer Arbeit gezeichnete Hände, die ihn hochhalten, und ein kalter, wohliger Geruch von Erde, der ihn umfängt. Und der ihn von da an auch nie mehr ganz losgelassen hat.

Die erste Ausbildung

Tibor wurde in die Stadt gebracht, zu strengen, aber ihm meist freundlich gesinnten Leuten, die ihn wie den Sohn eines reichen Herrn behandelten. Sie lehrten ihn viele Dinge, deren eigentliche Bedeutung sich ihm erst sehr viel später erschloss. Es war nicht die ganze Zeit über dieselbe Familie, aber sie schienen alle in besonderer Weise mit dem Herrn des Landes verbunden zu sein. Er erhielt eine Unterweisung im Quadrivium der freien Künste (Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie) sowie eine grundlegende Ausbildung in den Kampfkünsten (waffenlos und bewaffnet) und in der Tierkunde. Nach dem Erreichen der Volljährigkeit wurde er in Kenntnisse und Fähigkeiten eingeweiht, die nicht so verbreitet waren: Okkultes Wissen, Körperkunst (das Fähigkeiten wie Ausstopfen, Ritualopfer, Einbalsamieren und Gerben beinhaltet), auch ein wenig Politik.

Einmal im Jahr kam der Landesherr vorbei, um sich seine Fortschritte vorführen zu lassen. Wenn die Ergebnisse unzureichend waren, wurden er und die ihn ausbildende Familie hart bestraft (Auspeitschen und Nahrungsentzug waren noch die harmlosesten Methoden). Doch dieser Druck spornte ihn nur noch mehr an, sein bestes zu geben, um seinem Herrn zu gefallen. Immer wenn er jenen erdigen Geruch wahrnahm, den er bei seiner Auserwählung zum ersten Mal gerochen hatte, spürte er, wie ihn neue Kraft und neuer Ehrgeiz durchströmte.

Der Kuss

Eines Abends wurde er zu seinem Herrn gebracht. Dieser unterhielt sich mit ihm die ganze Nacht hindurch, über die verschiedensten Dinge, meist seine Ausbildung oder das Land betreffend. Sein Herr schien zufrieden, vielleicht sogar erfreut. In den folgenden Nächten wurde er immer häufiger zu seinem Herrn gerufen, die Gespräche wurden intensiver. Da bemerkte Tibor etwas, das ihm vorher nie aufgefallen war: sein Herr schien nicht zu atmen. Als sein Herr bemerkte, wie er etwas unruhig wurde, fragte er Tibor, was los sei. Und dieser fragte direkt, ob er etwa einer dieser Wesen der Nacht sei, von denen er in einem der okkulten Bücher gelesen habe. Daraufhin lächelte sein Herr. In dieser Nacht hatten sie ein neues Gesprächsthema.

Am Abend seines 20 Geburtstages rief ihn sein Herr zu sich. Er bot Tibor an, ihn zu seinem Kind zu machen. Seine Familie und seine Herkunft habe Tibor bereits hinter sich gelassen, nun würde er auch den Rest noch abstreifen, der ihn daran hindere, eines nachts machtvoll über das Land und seine Bewohner zu herrschen. Tibor willigte ein, und das Ritual begann. Er starb, wurde begraben, wurde wieder zum Leben erweckt durch seinen Herrn und Erzeuger.

Die zweite Ausbildung

Tibor lernte in den nächsten 50 Jahren nun alles, was sein Erzeuger über die vampirische Existenz wusste bzw. ihm beibringen konnte: Die Clans und ihre wesentlichen Eigenheiten und Fähigkeiten (soweit sie bekannt waren), die vampirische Gesellschaft und ihre Gesetze, das Leben in der Nacht, die Ernährung mit dem Blut der Sterblichen. Sein Erzeuger unterrichtete ihn in der Kunst des Fleischformens, wobei die in der Körperkunst erworbenen Fähigkeiten auf einmal in neuem Licht erschienen. Außerdem erhielt er Unterweisungen in der speziellen, koldunistischen Magie der Tzimisce, die eng mit dem Land und seinen Elementen verbunden ist. Er lernte, wie er Verbindung zur Erde und ihrer Energie aufnehmen kann, um sie für sich oder gegen seine Feinde einzusetzen. Und er lernte, mit tierischen Wesen zu kommunizieren - sein Erzeuger wies ihn darauf hin, dass in jedem Kainit ein Tier stecke, dass er mit genügend Erfahrung und Übung eines Tages beeinflussen und kontrollieren könne. Und darauf komme es schließlich an: die Kontrolle und Macht über das Land und alles, was auf, über und in ihm lebt, zu erlangen.

Ein Neuanfang

Und dann kam der Angriff der deutschen Eroberer, angeführt laut Tibors Erzeuger von verhassten Ventrue, die den Tzimisce die Herrschaft streitig zu machen wagten. Ein blutiger Kampf, eine auf beiden Seiten verlustreiche Schlacht. Waffenstillstand. Und sein Erzeuger teilte ihm mit, dass er, Tibor, als "Unterpfand des Friedens" in ein fernes Land und eine ferne Stadt gehen sollte. So sei es beschlossen worden. Kein weiteren Erklärungen, kein Wort der Weisung zum Schluß - sein Erzeuger sagte nur, er sei jetzt bereit, seine Aufgabe zu erfüllen.

Und nun ist er hier in Lipsia oder wie das heißt. Nur gut, dass er auch bereits Deutsch gelernt hat (ob sein Erzeuger vielleicht etwas geahnt hat? Oder gar eine bestimmte Absicht hatte?). Auf sich allein gestellt ist er entschlossen, seinem Erzeuger keine Schande zu machen und so viel wie möglich über die hiesigen Vampire zu erfahren. Das könnte ihm eines nachts helfen, wenn er die Kontrolle über das Land an sich reißen wird.


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